Wie viel Sinn liegt darin?

Mir ist vor einigen wenigen Wochen bekannt geworden, dass es eine Frau gibt, die seit ca. 2 Jahren die noch verbliebenen 3 Draußentiere von unserem Arbeitshof füttert. Anfangs fand ich das beruhigend und entlastend. So konnte ich darauf vertrauen, dass das Patentier auch am Wochenende oder/und in meinem Urlaub sicher gefüttert werden wird.

Inzwischen finde ich das Ganze durchaus zweifelhaft. Wir leben hier alle innerhalb eines Gebiets, in welchem die Bauarbeiten stetig weiter fortschreiten. Das bedeutet immer wieder Unruhe + Umgewöhnung für die Felltragenden. Die Alternative besteht nun offenbar darin, diese Tiere einzufangen und in einen Tierhof zu bringen, wo sie begrenzten Ausgang und regelmäßige Versorgung bekommen. Das ist, was die Frau sehr deutlich will.

Sie macht sich unglaubliche Sorgen darum, dass sie „auch nicht jünger“ wird und sie füttert diese Tiere nun seit geraumer Zeit. Offenbar hat sie diverse unangenehme Erfahrungen mit den Bewohnern aus einem der den Hof begrenzenden Häuser gemacht. Und hat Angst, dass die Tiere von diesen verjagt oder vergiftet werden könnten. Was natürlich theoretisch möglich (und im letzteren Fall eine Schweinerei) wäre. Nur – wie realistisch ist das? Macht es wirklich Sinn, den Felltragenden einen „eingesperrten“ Ort samt Ortswechsel zuzumuten, weil sich ihre Umgebung verändert?

Sie macht sich insgesamt offenbar häufig VIELE Gedanken um das Elend aller frei lebenden Katzen und Kater. Auf der anderen Seite könnte ich mir vorstellen, dass es ist, was die Tiere kennen. Und nach allem, was ich so weiß, finden Katzen von Veränderungen die am schwierigsten, die mit Ortswechseln verbunden sind. Es ist wahr, dass ich in einer Wohnung lebe, die keinen sinnvollen Freigang (über den Hausflur hinaus) zulässt. Zudem haben wir keinen Platz, um ein bisher in „Freiheit“ lebendes Tier in unsere „Herde“ einzugemeinden. Ist daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Frau Recht hat mit ihrem Bedürfnis nach Erfolg beim Einfangen?

Als den Felltragenden positiv geneigte Dosine sollte ich das vermutlich auch genau so wollen. Und mich an die Vereinbarung halten, die Tiere seit Samstag Abend nicht mehr zu füttern, damit sie irgendwann doch mal in die Katzenfalle gehen, um dort – unter anderem – Fressen zu bekommen. Ich HALTE mich schon auch daran, das ist wahr. Es fällt mir allerdings unglaublich schwer, wenn mir das Patentier sogar nach einigem Zögern quer über den Hof entgegen läuft, weil es mein Auto (oder mich darin?) sah. Wer bin ich, eine Entscheidung für ein Tier zu treffen, was seit mindestens 2, eher mehr Jahren offenbar gut draußen klar kommt? Nur weil ich mich freue, wenn ich es sehe? Und weil ich bereit bin, es in der Woche 2x tgl. zu füttern und das ggf. auch am Wochenende sicherzustellen? Habt Ihr eine Meinung dazu?

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11 Antworten zu “Wie viel Sinn liegt darin?

  1. Pingback: Blogstatistisches aus 2010 « Veros Kater

  2. Nochmal ich 😉
    Ich kann mir durchaus vorstellen, das Patentier (und auch die offenbar dazu gehörenden anderen beiden Tiere) den Winter über weiter zu füttern und für eine regelmäßige Reinigung/Kontrolle der Unterkunftsmöglichkeiten zu sorgen. Mir ist nur eben leider unklar, ob das „reicht“. Und ob ich das „Recht“ habe, das zu entscheiden.

    Es mag sein, dass die Tiere rechtlich gesehen niemandem „gehören“ (tun das die, die hier mit mir/uns leben?^^). Dennoch scheint die Katzenfrau sich ja schon recht 😉 zuständig vorzukommen. Und dann? Geht es dann an, ihr zuzumuten, sich weiter um die Tiere zu sorgen, „nur“ weil ich zu dem Schluss gekommen bin, dass ich das Fangen und „Wegbringen, ohne wiederzukommen“ unzumutbar finde? Dann höre ich vermutlich noch eine ziemliche Weile ihre Sorgen und Ängste – wie (un-)berechtigt sie auch sein mögen. Ich habe NICHT den Eindruck, mit meinen Überlegungen zu ihr durchzudringen, wenn ich es denn versuche. Sie ist dankbar und froh, dass ich mich beteilige, sie scheint jedoch nicht bereit, ihre (vermeintliche) Verantwortung zu delegieren.

  3. ein ganz klares „ja“ zum Freigang. Sterilisieren ja, impfen, entwurmen ja, füttern sowieso, aber wieso soll ich als Mensch das Recht haben über die Freiheit oder Unfreiheit eines Tieres zu entscheiden? Ich liebe meine Katzen sehr und ich leide fürchterlich, wenn eine davon stirbt oder nicht mehr nach Hause kommt, aber ich bin überzeugt davon, wenn die Katze wählen könnte, würde sie die Freiheit wählen. Sicherheit auf Kosten der Freiheit ist eine absolut menschliche Eigenheit (und eine sehr fragwürdige)
    LG
    Sabine

    • Ja – Freigang finde ich schon auch „tier-würdig“ – das ist ja genau das, was ich meine, bei „meinem“ Patentier wahrzunehmen – dass es eher „bereit“ wäre, sich mit den fortwährenden Veränderungen zu arrangieren als mit dem Eingesperrt werden. Wenn stimmt, was die Katzenfrau zu wissen meint, dann ist das Patentier bereits sterilisiert/kastriert und wohl auch gechippt. Zum Impfen müsste es sich einfangen lassen, was es offenbar eher NICHT tut. Entwurmen geht heutzutage recht leicht mit Tabletten, bei denen ich davon ausgehe, dass ich sie zerbröselt bzw. gemahlen leicht über das Futter geben könnte, von dem ich einfach beobachten kann, ob sie/er es frisst, weil es ja doch zu einem gewissen „Vertrauensverhältnis“ gekommen ist im Laufe der Zeit.

      Wenn es jedoch Freiheit „um jeden Preis“ sein soll, finde ich das durchaus auch frag-würdig. Ich WEISS um die diversen Autos, die immer mal wieder auf unseren Hof kommen (und des Winters auch Wärme abgeben). Ich weiß aber auch um die umliegenden mehr oder minder stark befahrenen Straßen. Und wenn MICH der Baulärm schon stört bis nervt – wie mag es dann für die Spitzohren mit ihrem so viel ausgeprägteren Gehör sein?

  4. Ein sehr schwieriges Thema.
    Vorweg, ich bin keine Anhängerin von ungesichertem Freigang. Zu groß sind die gefahren mMn in unserer Welt. Sicher ist mein abgesicherter Minigarten nicht das gleiche für meine Miezen, wie wenn sie die Gegend unsicher machen könnten, aber ich finde dass gesicherter Freigang trotz allem die beste Kompromisslösung ist.
    Andererseits eine streunerkatze in einer Wohnung zu halten, kann für alle beteiligten sehr mühsam sein bis fast unmöglich. Es kommt sehr auf die Gegebenheiten an, so wie ich dich verstehe hätte deine patenkatze dann gesicherten Freigang?

    Ich sehe das gleiche Problem bei mir in der Gegend, früher gab es hier nur kleine Häuschen, alle mit 200m2 Garten und mehr, ein stillgelegtes Werk und ein Nebengleis der Bahn. Das werk wurde abgerissen, es wurden 800 Wohnungen (auch meine) hier gebaut, dazu Geschäfte für die nahversorgung. Aus der ehemaligen Nebenlinie der Bahn wird in wenigen Jahren eine sehr wichtige Verbindung, gebaut wird schon seit Jahren. Es gibt hier nach wie vor viele freigängerkatzen. Früher mag das kein Problem gewesen sein, aber jetzt? Erst kürzlich dachte ich vielleicht eine der vielen hier vermissten Katzen gesehen zu haben. Als ich die Besitzerin anrief, ob sie ihre Katze denn schon gefunden hat, denn die Zettel sind ja schon älter, bekam ich zur Antwort, dass sie das nicht wisse. Ich war perplex. Nun, es wurde eine Katze in der Nähe der Wohnung überfahren, der Hausmeister hat sie im Müll entsorgt, ohne der Besitzerin Bescheid zu geben, bis sie davon erfuhr war der Müll bereits entsorgt – und auch die tote Katze. Die Katze war schon 6 Jahre alt, die partnerkatze hat noch immer ungesicherten Freigang. Ich glaube, dass die meisten entlaufenen Katzen hier in der Gegend Freigänger sind, die nicht zurückkamen – ein großer Teil wurde wohl überfahren.

    Vielleicht hilft es dir zu wissen auf welchen Hof die Katze kommen wird? Vielleicht könntest du dir Fotos von dort anschauen oder den Hof besuchen? Auch wenn es für deine patenkatze nicht mehr das leben sein wird, das sie kennt, für mich wäre es beruhigend zu wissen, dass sie nicht überfahren wird oder vergiftet wird oder, oder, oder und womöglich schwer verletzt lange Stunde noch dahinvegetiert.

    • Ja – das finde ich auch, dass es ein sehr schwieriges Thema ist. Ich bin ja mit den unsrigen eindeutig im Bereich des gesicherten Freigangs (Hausflur oder Leine). Wenn ich mich so umhöre, was „mein“ Patentier betrifft, dann ist dessen/deren Besitzerin schon von Jahren gestorben. Eine Heilpraktikerin vertritt die Ansicht, dass solche Tiere häufig VIEL besser klar kämen als wir das so annehmen würden. „Ursprünglich“ sind sie schließlich auch Draußentiere. Die Tiere leben schon seit Jahren in dem Bewusstsein von Autos in ihrer unmittelbaren Nähe. Sehen sich offen-sichtlich auch vor.

      Was mich dennoch NICHT zu einer Anhängerin von ungesichertem Freigang macht. Ich habe viel zu viel Angst vor den ja auch von Dir geschilderten Gefahren. Ich merke halt, dass das Patentier schon auch einen Platz in meinem Herzen hat. Da kann ich gerade nur mit (vermeintlicher) Rationalität den Informationen trauen, die ich bekomme. Was möglicherweise dann auch ein Ansatz wäre: Welchen Informationen traue ich aus welchen Gründen?

      Fotos von dem Hof habe ich übrigens inzwischen gesehen. Aber dort gewesen bin ich bisher nicht. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es gut wäre, mir das vor Ort anzusehen. Ich weiß es einfach nicht.

      • Dass dein patentier damit zurecht kommt „alleine“ zu sein – also ohne Menschen, das glaube ich schon auch.
        Aber ich persönlich glaube wirklich absolut nicht, dass den freigängern die Gefahr von Autos (uvm) bewusst ist. Ehrlich gesagt halte ich das in etwa für so „richtig“ wie die Aussage, dass Katzen ja nie aus Fenstern stürzen oder vom Balkon fallen. Es stimmt einfach nicht.

        Alleine die Geschichten von freigängern, die ich im letzten Jahr gehört habe. Rattengift erwischt, elend gestorben, von Autos überfahren, vor Hund geflüchtet und dabei vor ein Auto gerannt (letztere war ca 12 Jahre alt und immer freigänger, trotzdem), sich bis zu Nachbars Hecke geschleppt, Besitzer fanden Katze trotz Suchaktion nicht schnell genug, es dauerte die ganze Nacht bis sie starb – und im frühjahr
        die vielen toten Katzen auf der
        Autobahn im freilandgebiet…

        Ich glaube es nicht, dass sich eine Katze dessen auch nur irgendwie bewusst ist-und ohne einen Anspruch auf statistische Relevanz zu stellen – aber ich finde, dass mir diese Beispiele (leider) recht geben. Und das Erlebnis, dass auch Katzen in der Nacht teils zum Licht laufen (und somit auf der Straße Richtung Auto) gibt mir auch nicht gerade Hoffnung, dass Katzen die Gefahr bewusst ist.

        Aber natürlich, es gibt auch die andere Seite, die der freigänger, die dann in „Gefangenschaft“ depressiv werden, das streite ich nicht ab. Das macht es ja so schwierig.

      • …und die die zahllosen Katzen, die es einfach ganz lange „schaffen“? Ja – ich weiß – es gibt eben einfach auch viele, die es leider nicht „schaffen“. 😦 😦 😦 Auch ich höre und lese immer wieder davon. Was es halt total schwierig macht. Ich will ja aber ohnehin nicht behaupten, DIE einzig richtige Wahrheit zu wissen. Was ja mit ein Grund ist, weshalb ich das Thema hier aufgemacht habe. Danke für Dein, für Euer Mitteilen – siehe anderer Kommentar – jeder einzelne Kommentar hilft mir enorm, meine eigenen Gedanken dazu zu sortieren und klarer zu bekommen.:)

      • PS: Wer hier antworten will, kann das gern tun – dafür dann einfach den Link zum Antworten nutzen, der weiter oben steht. Die Antwortfunktion ist auf maximal 3 Ebenen verschachtelt, daher taucht die Antwort dann ab der 3. Antwort unterhalb der jeweils letzten Antwort auf.

  5. Dieses Thema kann ich nicht rational angehen, stelle ich gerade fest. Ich denke noch mal drüber nach, weil ich während des Schreibens gerade zwei mal meine Meinung gewechselt habe. Puuuuh…

    LG Annette

    • …kann ich sooo gut verstehen. Das war genau DER Grund, weshalb ich beschlossen habe, dazu jetzt trotz gerade ziemlich wenig Zeit einen Artikel zu posten…

      Mich beschäftigt das bis in die Nacht hinein und am Morgen gleich wieder – nämlich auf dem Weg zur Arbeit. Dann natürlich auf dem Hof, wenn ich das Patentier sehe, was mir ja offenbar mindestens ein Stück weit vertraut und nicht „verstehen“ KANN, wenn ich es dennoch ignoriere, statt mit dem „üblichen“ Futter zu kommen und es „zuzutexten“. Während der Arbeit, auf dem Weg nach Hause und wenn ich weiß, dass eine Fangaktion geplant ist, natürlich schon wieder…

      Nochmal ausdrücklich: ich interessiere mich auch für solche Äußerungen wie die obige, weil es mir hilft, meine eigenen Widersprüchlichen Meinungen dazu besser einzuordnen.

      Und wer mag, kann und darf mir das auch gern als Beitrag zukommen lassen, der nicht sofort hier veröffentlicht wird. Ich schalte daher mal vorübergehend das direkte Freischalten von Kommentaren aus.

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